Nie wieder Weihnachten?

Texte, die mit „Alle Jahre wieder“ beginnen, lese ich meist nicht weiter. Bei diesem Text kommt mir genau diese Floskel in den Sinn. Denn immer zu Weihnachten habe ich die selben schlechten Gefühle, der Essbrechreiz meldet sich, Tränen kullern anlasslos, mein Selbsthass und meine Unzufriedenheit sind im dunkelroten Bereich.

Anfangs freue ich mich auf die Weihnachtszeit:. Ich bekomme Lust, die Wohnung zu dekorieren, mache mir Gedanken, welche Geschenke ich aussuche, plane Verwandtschaftsbesuche über die Feiertage verteilt, schaffe genügend Zeitpuffer, damit auch alles rechtzeitig fertig ist: Baum, Essen, Präsente. Wie immer möchte ich es perfekt haben. Es allen recht machen. Ob sie wollen oder nicht.

Wie immer nimmt der Zeitstress vor Weihnachten zu: es ist wie der Stau auf der Autobahn: Plötzlich ist er da, wie aus dem Nichts, unerklärbar. Es finden diverse Jahresabschlussveranstaltungen statt, Weihnachtsfeiern, Karten müssen geschrieben, dies und das noch im alten Jahr erledigt werden, zum Beispiel die Steuer. Mich macht das fertig. Aber nie gelingt es mir, rechtzeitig gegenzusteuern. Ich treibe in diesen Stau hinein, kann vorher weder abbiegen oder gar nicht erst losfahren. Aussteigen geht nicht, Tempo drosseln geht nicht. Die Menschen um mich herum sind ebenso getrieben. Damit es am Ende auch schön besinnlich wird, wird gehetzt wie blöde.

Zuerst spüre ich an meinem Essverhalten, dass etwas nicht in Ordnung ist, etwas mit mir geschieht, ich gegen meine Interessen handele. Ich fange an, zu überessen. Der Bauchdruck nimmt zu. Nach dem ersten Übergeben fange ich an, der Ursache nachzuspüren. Das habe ich immerhin gelernt: Den Gründen nachzuspüren, sie zu benennen. Auch wenn ich dann bereits mitten im Stau stecke. Und, um in der Metapher zu bleiben: Regelmäßig rummst es dann, ich fahre nämlich auf, sehe keine Gefahren, keine Fallen. Blind bin ich. Weihnachtsblind.

Dieses Jahr ging es mir besonders schlecht. Warum das so war? Ich weiß es noch nicht genau. Es waren mehrere Anlässe, die ich nicht öffentlich schreien möchte, weil sie mit Personen zu tun haben, die mir nah stehen. Letztlich bin ich es aber, die für meine Gefühle verantwortlich ist. Nur ich bin es, die etwas verändern kann.

Und deswegen habe ich den Entschluss gefasst, dass Weihnachten 2018 ausfallen wird. Es wird also weder Weihnachts-Deko geben, noch werde ich für andere kochen. Es wird keinen Baum geben, keine Adventskalender, keine Einladungen zum Essen. Ich werde andere nicht fragen, wann sie wie und wo mit mir Weihnachten feiern wollen. Ich werde meiner Familie sagen, dass ich gern mit ihnen zusammen sein möchte, aber ich werde mich um nichts kümmern.

Ob das was in mir verändert? Ob es mir damit besser geht? Ob ich dann keinen Bauchdruck bekomme? Ich hoffe es. Ich weiß, dass ich zu sehr radikalen Veränderungen neige, wenn ich emotional abgestürzt bin. Sie sind nicht immer richtig. Oft muss ich mich dann korrigieren, Das wird möglicherweise auch bei diesem Plan so sein.

2 Kommentare zu „Nie wieder Weihnachten?

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