Geschmorte Gurke

Zurzeit liegen wahre Prachtexemplare von Schmorgurken in den Gemüseabteilungen herum. Sie haben mich animiert, mal wieder ein Essen zu kochen, das wir früher regelmäßig auf dem Tisch hatten.

Ich schäöe dafür eine groke Gurke, halbiere und hole mit einem Löffel das weiche Fleisch heraus, das ich aufhebe. Die Gurke schneide ich dann in fingerdicke, mundgerechte Stücke. Eine große Zwiebel brate ich dann kleingewürfelt in Öl an und gebe die Gurkenstücke dazu. darauf streue ich Hefeflocken, die eine tolle Würze und Farbe bringen. Sind die Gurkenstück goldgeb, hole ich alles aus dem Topf und löse den festen Satz a, Rand dem weichen Gurkenfleisch, das ich dafür einfülle und ein bisschen köcheln lasse. Dann kommt die angebratene Masse wieder dazu.

Das alles würze ich mit Delikata, Edelsüßpaprika und etwas Salz. Nach ca. 20 Minuten kommt geriebender Käse darauf und viel saure Sahne. Alles schön rühren. Zwei Hände voll verschiedener Kräuter je nach Geschmack kommen am Schluss dazu.

Daie Schmorgurke schmeckt mit Reis oder Kartoffeln.

Resilienz – robust fürs Leben

Ch gaubeIch habe mich oft gefragt, warum ich keine Alkoholikerin geworden bin, warum meine Partnerschaft seit über 30 Jahren hält, warum ich trotz fehlendem Abitur in einem akademischen Beruf arbeite und mit Anfang 50 einen – bislang zumindest – erfolgreichen Neustart meiner Berufstätigkeit hingelegt habe. Was ist Erfolg? Wann schafft es jemand, ein zufriedendes Leben zu führen? Ich habe verschiedene Antworten darauf gefunden:

  1. Ich habe viel Glück im Leben gehabt und Angebote, die mir über den Weg liefen, offenbar zum richtigen Zeitpunkt ergriffen und genutzt. Meine Idee,  als 18-Jährige tatsächlich nach Hamburg zu ziehen beispielsweise, um die Ausbildung zu machen. Dann bin ich – durch Zufall – in eine WG gezogen, aus der sich  weitere Optionen für mein weiteres Leben ergaben. Es war Glück, die WG gefunden zu haben. Es war auch Glück, meinen Partner kennenzulernen.
  2. Ich hatte den richtigen Glauben. Mit 18 Jahren  bin ich aus der Kirche ausgetreten. Es waren zwei Gründe dafür maßgebend: Das Leben besteht meiner Meinung nach ausschließlich aus Zufällen. Und ich finde, es gibt auch keine höhere Instanz, die etwas für mich bewegt ode rmich gar antreibt. Oder mir Wünsche erfüllt. Ich wollte auch sprituell immer unabhängig bleiben und für mich selbst verantwortlich sein. Fremde Mächte oder Schicksale habe ich nie akzeptiert.
  3. Ich habe als Kleinkind viel Geborgenheit und Fürsorge erfahren. Das war glaube ich eine wesentliche Basis für eine relativ gefestigte Persönlichkeit und für körperliche und geistige Stärke. Und für Bindungsfähigkeit. Meine Elternhaus war in meiner frühen Kindheit noch stabil, meine Eltern waren liebevoll und sorgten sich, versorgten mich.
  4. Das Milieu, in dem ich aufgewachsen bin. Es zeichnet die in den 1960er aufstrebende Mittelschicht, den Mittelstand, die Bürgerlichen. Die Kinder kamen wie selbstverständlich auf das Gymnasium, die Mädchen lernten wie selbstverständlich einen Beruf und konnten dadurch unabhängig sein, Verhütung wie die Pille war bereits selbstverständlich und ermöglichte Geburten- und Familienplanung. Es stand und steht ein kleines Erbe in Aussicht, weil die Familie Werte geschaffen hatte. Dieser Rahmen schaffte vermutlich eine gewisse Sorglosigkeit, der Zukunft entgegenzusehen.
  5. Ich bin ein fleißiger Mensch.Ich arbeite gern kreativ. Ich versuche mir Rahmenbedigungen zu schaffen, meine Kreativität auszuleben. Ich habe und hatte immer das große Bedürfnis, dass ich meine Talente nicht verkümmern lassen darf.

Vermutlich war da noch mehr, aber ich glaube, diese fünf Pfeiler sind es vom Grundsatz her gewesen, die mich bislang gut durchs Leben leiteten. Und sie sind es, die es ermöglicht haben, bislang ein gutes Leben zu führen.

Auf der anderen Seite gibt es Menschen, die gleiche oder ähnliche Rahmenbedingungen hatten, deren Leben aber weniger stabil verläuft. Außerdem kann ich andererseits nun nicht gerade sagen, dass ich es leicht im Leben gehabt habe: Scheidungswaise, eine Alkoholikerin als Mutter, häusliche Gewalt erlebt, von der Schule geflogen, Essstörung. Mein Weg hätte also auch locker ein anderer werden können.

Früh habe ich mich mit den Phänomen der Resilienz beschäftigt und Ansätze gefunden, die erklären können, warum es den einen Menschen gelingt, trotz schwieriger Bedingungen eine stabile und robuste Persönlichkeit zu repräsentieren während andere „scheitern“ und einen eher klischeebesetzten Weg gehen. Ich glaube, dass ich die Fähigkeit besitze, mich von erschütterungen und Einschägen zu erholen:

Was ist Resilienz?

Das ist nicht in einem Satz zu erklären. Grob gesagt umreißt es die psychische Widerstandsfähigkeit, Krisen zu bewältigen und dafür auf persönliche Ressourcen zurückgreifen zu können. Der Volksmund hat dafür schon lange einen Begriff gefunden: Stehaufmännchen, auch heute noch auch ein beliebtes Kleinkindspielzeug.

Ich bin jetzt auf einen etwas längeren Aufsatz gestoßen, der sich anschaulich mit Resilienz beschäftigt und ganz gut erklärt, worum es dabei geht. Das Phänomen findet meiner Meinung nach zu wenig Beachtung, wenn man sich fragt: Warum werden die einen Menschen so und die anderen so, warum sind die einen erfolgreich und andere scheitern? Und es bleibt natürlich auch immer die Frage: Was ist Erfolg? Was ist Scheitern?

Sicherlich müssen weitere Faktoren herangezogen werden. Ich denke, wenn jemand zum Beispiel an Depressionen leidet, können vorhandene Ressourcen gar nicht abgerufen werden. Ich glaube auch, dass es Einbrüche im Leben gibt, die einen nicht wieder auf die Beine kommen lassen, schwere Traumata zum Beispiel, die unbehandelt bleiben. Und natürlich geistige Einschränkungen, die angeboren sind oder durch eine Krankehit oder einen Unfall verursacht wurden. Oder die politische Situation: Das Hartz-IV-System erschwert es massiv, unabhängig zu sein, und einen sicheren und gut bezahlten Arbeitsplatz verliert man schließlich auch in der Regel nicht selbstverschuldet. Da kann ich noch so viel Resilienz haben. Jede kann sich aber dennoch fragen und in sich hineinhören, welche Ressourcen da sein könnten, aus vermeintichen Schicksalsschlägen herauszukommen. Und sei es, zu entscheiden, sich aktiv zur Wehr zu setzen – wie ich es eigentlich immer getan habe.

Unabhängigkeit ist ein relativer Zustand

Was einen enebso großen Einfluss hat ist die Ressource des Sozialen, Gesellschaftlichen. Wir sind eben nur begrenzt autonom, wir sind soziale Wesen, die einander benötigen, um zu (über-)leben. Unabhängigkeit ist ei relativer Zustand. In Krisen oder scheinbar auswegslosen Situationen sowieso. Ich habe auch oft präventiv gehandelt: Mit meinem Engagement in Parteien, Gewerkschaften, bei Pro Familia. Ich war fast immer in Gruppen unterwegs, als Kind im Spielmannszug, im Sport. In meinen Jahren als Pressedokumentarin habe ich im Großraumbüro gearbeitet, wir waren eine gute Gemeinschaft.

Es gibt eine weitere Ressource, die ich besonders wichtig finde: Ich lerne gern, befasse mich gern mit Neuem. Da halte ich es ganz mit Hermann Hesse, der in seinem wunderbaren Gedicht „Stufen“ unter anderem schrieb:

Kaum sind wir heimisch einem Lebenskreise
Und traulich eingewohnt, so droht Erschlaffen,
Nur wer bereit zu Aufbruch ist und Reise,
Mag lähmender Gewöhnung sich entraffen.

Es ist dieses Erschlaffen, oder wie man auch sagt, die Routine, die mich immer getrieben hat, etwas Neues auszuprobieren. Zu lernen. Eigentlich sind meine Voraussetzungen dafür nicht gut gewesen, denn ich hatte immer zu wenig Unterstützung beim Lernen. Ich habe diesbezüglich eher eine Biographie des Scheiterns: In der Schule schlecht, kein sonderlich guter Abschluss meiner Ausbildung und durch die Fahrprüfung bin ich sogar dreimal geflogen und habe dann aufgegeben. Ich lerne dennoch gern. Mir fällt nur das Durchhalten manchmal schwer. Ich benötige schnelle Erfolge, sonst „erschlaffe“ ich.

Lernen ist anstrengend, aber diese Anstrengung wird immer damit belohnt, dass sich eine neue Tür öffnet, dass ich einen neuen Raum betrete – wie es Hesse ebenfalls schreibt. Vielleicht ist es eben auch das: Ein innerer Drang, nicht zu verharren.

„Da ist kaum noch Zeit für Selbstvergessenheit.“

puppeAls unsere Kinder klein waren, waren sie oft nackt. Nicht nur zuhause, sondern auch in der Öffentlichkeit. Wir haben ihnen zum Beispiel spät Badehose oder -anzug zugemutet. Sie haben sich wohl gefühlt, wenn sie gar keine Kleidung trugen. Im Supersommer 1992 nackt auf dem Spielplatz herumzutollen – da waren sie vier und fünf Jahre alt, war klasse. Was konnte es Schöneres geben, als sich mit Wasser zu bespritzen und das kühlende Nass direkt auf der Haut zu spüren? Auch im Freibad haben wir unsere Kinder nackt herum laufen lassen. Und ich? Selbstverständlich war auch ich fast immer „oben ohne“. Allerdings nur in den zehn Jahren, in denen ich mich auf Konfektionsgröße 38 heruntergehungert hatte. Weiterlesen „„Da ist kaum noch Zeit für Selbstvergessenheit.““

Dicksein – eine soziale Kategorie

Dieses Interview bedarf eigentlich keiner weiteren Kommentare mehr. Dass Menschen mit höherem Körpergewicht immer noch stigmatisiert und auf ihr Äußeres reduziert werden, ist nichts Neues, aber gesellschaftlich akzeptiert. Auch Betroffene selbst empfinden ihr Gewicht meistens als negativ. Das geht mir nicht anders. Selbst heute noch lösche ich Fotos von mir, auf denen ich mich als dick empfinde. Und ich habe Vermeidungsstrategien, auf Fotos als dick zu erscheinen. Gleiches gilt für Kleidung, Hosen, Shirts oder Hemden, die „vorteilhaft“ sind, mag ich lieber als Klamotten, die mich füllig darstellen.

„Meine Bulimie“ Zeichnung aus dem Jahr 2006. Alle Rechte by @keartus

Frauen bekommen häufiger Psychopharmaka verschrieben als Männer. Schlaf-, Beruhigungsmittel und Antidepressiva nehmen sie zweimal so oft. Zwar gehen Frauen auch häufiger zur Ärztin*, das allein rechtfertigt die hohe Verschreibungsrat nicht. Ärztinnen schieben Befindlichkeitsstörungen wie Abgespanntheit, Schmerzen oder Unruhe oft in die Psycho-Ecke. Sie wollen, bzw. können die Ursachen solcher „Klagen“ nicht erkennen. Die Folgen sind höhere Tablettenabhängigkeit.

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Alles selbst gemachtes Leid?

In ihrer aktuellen Kolumne stellt Margarete Stokowski fest: „Busen zu klein, Hintern zu dick und dann auch noch unrasiert: Frauenkörper bleiben nie unkommentiert. Deshalb fühlen Frauen sich oft so, als ob irgendwas mit ihnen nicht stimmt. Das muss sich ändern.“

Sie hat Recht. Und dennoch bin ich enttäuscht von ihrem Text. Denn sie stellt auch fest, es sei „selbstgemachtes Leid“: „Wir haben uns an dieses Leid gewöhnt, aber alles davon ist selbst gemacht.“ Dann fordert sie „Dicke Mädchen in Leggins“, irgendwas mit Brustwarzen, die nicht mehr angestarrt werden dürfen. Und dass das ewige Anstarren auch für Männer gelte, die sehr wohl Flipflops und kurze Hosen tragen dürften. Warum eigentlich nicht, habe noch nie gehört, dass sich jemand darüber aufregt. Vielleicht meint sie Männerfüße in Socken und Sandalen? Weiterlesen „Alles selbst gemachtes Leid?“